Authentisch bleiben, zuhören und neue Wege wagen

01.07.2026 | Weihbischof Dr. Birkhofer beauftragt Pious Joseph zum Gemeindereferenten

Freiburg. Pious Joseph sieht seine Aufgabe darin, Brücken zu bauen: zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen Kirche und Alltag, zwischen Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten. „Die Herausforderung wird sein, authentisch zu bleiben, zuzuhören und neue Wege zu wagen, ohne die Wurzeln des Glaubens zu verlieren.“ Der 49-Jährige wird am Samstag, 11.07., von Weihbischof Dr. Peter Birkhofer zum Gemeindereferenten beauftragt. Er arbeitet aktuell im Anerkennungsjahr bei der Pfarrei St. Martin Ettlingen. Die Feier findet in der Kirche St. Jodokus in Gaggenau statt. Insgesamt neun Frauen und Männer werden als Gemeindereferentinnen, Gemeindereferenten, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten beauftragt. 
 
Der Lebensweg hat Pious Joseph vom Orden der Unbeschuhten Karmeliten (Eintritt 1993) von Indien, wo er die Ordensausbildung bekam und Philosophie studierte, nach Deutschland geführt. Zwischenzeitlich war er in Rom, dort erwarb er an der Päpstlichen Universität Gregoriana das Lizentiat in Katholischer Theologie. In Deutschland wirkte Pious Joseph zuerst ab 2012 in der Altenpflege. Ab 2021 absolvierte er die praxisintegrierte Ausbildung zum Gemeindereferenten in der Erzdiözese Freiburg mit Einsatzfeldern in Gemeinde und Schule. Für den 49-jährigen Familienvater von drei Kindern stellte dieser Weg eine fortlaufende Erfahrung der Führung Gottes dar: „Ich durfte immer wieder neu entdecken, dass Berufung kein fertiger Plan, sondern ein wachsender Dialog mit Gott ist.“ Besonders prägend seien die Begegnungen mit Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen gewesen. „In Brüchen, Herausforderungen und Neubeginnen habe ich gelernt, Gottes Gegenwart auch im Ungewissen zu vertrauen.“ 

Keinen geraden Plan verfolgt

Was hat ihn bewogen, Gemeindereferent werden zu wollen? Kein gerader Plan, erzählt Pious Joseph, sondern eine Geschichte, in der Gott ihn immer wieder neu gerufen und geführt habe. „Schon früh durfte ich erfahren, dass der Glaube nicht nur Tradition ist, sondern eine lebende Beziehung, die trägt – auch in Zeiten der Unsicherheit und Veränderung.“ Sein Weg habe ihn durch unterschiedliche Lebensphasen geführt: geistliche Suche, theologisches Lernen, Familie, Migration in ein neues Land und die Arbeit mit Menschen in verletzlichen Lebenssituation. „Gerade in diesen Begegnungen habe ich Gottes Gegenwart oft leise, aber tief erfahren. Dort ist in mir die Gewissheit gewachsen, dass mein Platz nicht nur im persönlichen Glauben liegt, sondern im Dienst an den Menschen.“ Gemeindereferent zu werden, bedeute für ihn, auf diesen Ruf zu antworten: Menschen zu begleiten, ihnen zuzuhören, Hoffnung zu teilen und Räume zu öffnen, in denen Gottes Liebe erfahrbar wird. 
 
Pious Joseph setzt auf eine Pastoral der Nähe. „Ich wünsche mir eine Kirche, die Menschen willkommen heißt, die zuhört und die gemeinsam unterwegs ist.“ Schwerpunkte sieht er in der Familienpastoral, der Begleitung von Kindern und Jugendlichen sowie in spirituellen Erfahrungsräumen, in denen Menschen Gott auf persönliche Weise begegnen können. „Mir ist wichtig, dass Glaube nicht nur vermittelt, sondern erlebt wird – durch Gemeinschaft, kreative Formen und echte Begegnungen.“ Theologisch glaube er an eine ganzheitliche Pastoral, die Herz, Verstand und Lebenserfahrung verbindet. „Glaube soll nicht nur erklärbar werden, sondern im gemeinsamen Erleben wachsen dürfen.“ Dabei ist Pious Joseph eine dialogische und wertschätzende Haltung besonders wichtig.      

Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten: Nahe bei den Menschen

Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten sind hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger in katholischen Kirchengemeinden der Erzdiözese Freiburg. Sie haben eine mehrjährige theologische, religionspädagogische und gemeindepraktische Ausbildung absolviert und arbeiten gemeinsam mit anderen hauptberuflich pastoralen Diensten und ehrenamtlich Engagierten im Team einer Pfarrei. Zu ihren Aufgaben in der Pastoral gehören die Begleitung und Unterstützung der Ehrenamtlichen und die Vernetzung von Projekten und Initiativen. Dadurch gestalten sie gemeinsam mit anderen Kirchen und Gesellschaft vor Ort. 
 
Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten eröffnen Räume, in denen Menschen den Glauben miteinander teilen und mit dem eigenen Leben in Verbindung bringen können. Dies kann in der Einzelseelsorge und in der Arbeit mit Gruppen geschehen. Zum weiteren Aufgabenfeld gehören unter anderem der Religionsunterricht an Grund-, Real- und Werkrealschulen, die Trauerpastoral und Beerdigungen, die Leitung von Wortgottesfeiern, die Begleitung verschiedener Gruppen, sowie die Sakramentenkatechese, etwa die Vorbereitung auf die Erstkommunion oder die Firmung. Ihre Beauftragung haben die Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten gemeinsam mit den Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten in diesem Jahr unter die Leitworte „Angenommen in Liebe – Mutig voran“ gestellt.
 
(pef)
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Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.