Weil Integration kein Selbstläufer ist

16.09.2026 | Das Erzbistum Freiburg beteiligt sich vielfältig an der „Interkulturellen Woche“.

Freiburg. Begegnungen schaffen, Vorurteile abbauen und ein Zeichen für ein gutes Miteinander setzen: Diese Ziele der am 27. September beginnenden bundesweiten Interkulturellen Woche verfolgt das Erzbistum Freiburg gemeinsam mit den Veranstaltern – und darüber hinaus das ganze Jahr über. „Das Bild von Migration und Integration in der öffentlichen Debatte ist verzerrt. Die vielen Geschichten gelungener Integration werden zu selten erzählt“, bemerkt Hannah Biller, Leiterin des Referats Kirche in Gesellschaft und Politik. Die unter dem Motto „dafür!“ stehende Aktionswoche soll daran etwas ändern und zugleich positive sowie hoffnungsvolle Akzente setzen.
 
 
Den Kontrapunkt zu einem „Dagegen“ setzen im Erzbistum Freiburg täglich mehr als 2500 Haupt- und Ehrenamtliche. Dies erfolgt in der Flüchtlingsseelsorge genauso wie beim Jugendmigrationsdienst, der Migrationsberatung für Erwachsene, in ehrenamtlichen Initiativen und Projekten von Verbänden. Die dort gesammelten Erfahrungen machen laut Dr. Pierre Ziade, Referent für Flüchtlingspastoral und das diözesane Forum Migration und Integration, deutlich, dass eine erfolgreiche Integration kein Selbstläufer ist. So erzählen die Schilderungen der Aktiven von langwierigen Prozessen der Anerkennung, von gesellschaftlichem Gegenwind – und von den vielen Menschen, denen es trotz aller Widrigkeiten gelingt, sich ein neues Leben aufzubauen. „Die Stärke und der Durchhaltewillen der meisten Menschen, die zu uns kommen, das „Trotzdem“ der zahlreichen Engagierten bleibt viel zu oft unsichtbar“, weiß Ziade den Einsatz der Engagierten zu schätzen.

Integrationsgeschichten werden greifbar

Das diözesane Forum Migration und Integration zeigt anlässlich der Interkulturellen Woche mit beispielhaften Integrationsgeschichten, wie aus einem gemeinsamen Handeln und der notwendigen Portion „dafür“ gelebte Gemeinschaft erwächst. Die Geschichten stehen für die Überzeugung, dass Vielfalt bereichert – und dass Integration vor allem dort gelingt, wo Menschen einander mit Offenheit und Respekt begegnen.
 
 
Dies ist beispielsweise beim Studium der Fall: Im Sprachenkolleg für ausländische Studierende der Erzdiözese Freiburg werden Studienbewerberinnen und -bewerber nicht nur mit einem Sprachkurs auf das Studium vorbereitet, sondern erfahren bei gemeinsamen Feiern, Ausflügen und kursübergreifenden Aktivitäten auch das Erleben von Kultur und Landeskunde. Menschen wie Nidal Osman, der in Syrien sein Studium schon fast abgeschlossen hatte, und in Deutschland noch einmal neu anfangen musste, erfuhr nicht nur durch ein Stipendium des Flüchtlingsfonds der Erzdiözese die notwendige Unterstützung. Gerade die Lehrkräfte und die Leitung des Sprachenkollegs sprachen ihm das nötige Quäntchen „dafür!“ zu, um seinen Weg in Deutschland fortzusetzen. Weitere Geschichten sind unter www.ebfr.de/integration  zu lesen.

Zahlreiche Aktionen in der Erzdiözese Freiburg

Anlässlich der Interkulturellen Woche machen die Akteurinnen und Akteure ihr kontinuierliches Engagement an vielen Orten sichtbar.

In und um Freiburg

Freiburg: Mit einem großen Benefizkonzert wird die Interkulturelle Woche am Freitag, 25. September, in der Katholischen Hochschulgemeinschaft Edith Stein in Freiburg eröffnet. Das Saxophon-Ensemble „Raschèr Academy Orchestra“ und der Süduferchor sind zu hören, die Spezialitäten des Sozialdiensts muslimischer Frauen gibt es zur Verköstigung. Am Dienstag, 6. Oktober, rücken die Flüchtlingsseelsorge und das Ökumenische Asylforum mit weiteren Partnern bei einem Abend mit dem Antirassismus-Trainer Austen P. Brandt die Hoffnung in den Mittelpunkt (Anmeldung erwünscht über asylforum@caritas-freiburg.de).
 
Landkreis Emmendingen: Mit einem Friedensgebet am 27. September, 19 Uhr, mit und für Menschen aller Religionen in der Kirche St. Laurentius in Kenzingen beginnt die Interkulturelle Woche im Landkreis Emmendingen. Zum Programm zählt die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ mit Fotografien des Künstlers Luigi Toscano, die großformatigen Porträts von Überlebenden des Holocaust zeigen. Diese Bilder werden nach der Eröffnung im Beisein des Künstlers am Montag, 28. September, 11 Uhr, drei Wochen lang unter anderem im Schulhof der Ruth-Cohn-Schule in Denzlingen zu sehen sein. Darüber hinaus stellt nicht nur das Offene Café am Dienstagnachmittag im Roten Haus in Waldkirch und das Café Multikulti der Kirchengemeinde an der Elz in Kenzingen sein Programm in den Rahmen der Aktionswoche.

Heidelberg und Umgebung Kino, Puppentheater und Synagogenbesuch

Um die Wurst geht es beim Auftakt der Interkulturellen Woche in Heidelberg. So stehen beim Ökumenischen Gottesdienst am 27. September zunächst knapper werdende Ressourcen und ihre Verteilung im Mittelpunkt, ehe ein Kinoevent mit dem Film „Extrawurst“ in ein interkulturelles Grillfest mündet. Am 29. September sorgt der Caritasverband Heidelberg-Rhein-Neckar mit Fingerfarben für bunte Hände und schöne Begegnungen, am 1. Oktober mit einem Workshop zur interkulturellen Kompetenz im Ehrenamt für Impulse und einen Erfahrungsaustausch rund um Empathie und Abgrenzung im interkulturellen Ehrenamt.
 
In Sinsheim stehen die abrahamitischen Religionen im Zentrum. Das jüdische Puppentheater Bubales aus Berlin spricht Groß und Klein an. Die religionspädagogische Medienstelle beteiligt sich mit einem Büchertisch und Infomaterialien zu den abrahamitischen Religionen an der Aktionswoche. Eine interreligiöse Abrundung erfährt das Programm durch einen Online-Workshop von Fabian Freiseis zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Judentum, Christentum und Islam sowie eine Führung durch die Synagoge Heidelberg (Anmeldung erforderlich unter ikeo@caritas-HDRN.de).
 
In Wiesloch wird es zur Interkulturellen Woche gemütlich. Im „Wohnzimmer der Kulturen“ laden Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern in ihre persönlich gestalteten Wohnzimmer-Ecken ein. Auf Einladung unter anderem der Migrationsberatung können Erwachsene am Sonntag, 4. Oktober, von 15 bis 18 Uhr im Gemeindehaus der Evangelischen Petrusgemeinde miteinander ins Gespräch kommen und Vielfalt erleben.

Im Landkreis Sigmaringen

Das Erzbischöfliche Kinderheim Haus Nazareth setzt mit der Ein-Quadratmeter-Methode ein sichtbares Zeichen „#dafür!“. Einzelpersonen, Initiativen oder Gruppen sind eingeladen, jeweils ein Quadrat nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und zu zeigen, wofür sie stehen – zum Beispiel durch Gespräche, kleine Aktionen, kreative Beiträge, Informationen, Musik oder Begegnung. Durch die vielen einzelnen Quadrate entsteht ein lebendiges Gesamtbild. Kurz gesagt: viele Menschen – viele Quadratmeter – viele Gründe, “#dafür!” zu sein. Wer sich einen Quadratmeter reservieren möchte, muss sich anmelden!
 
Der Caritasverband Sigmaringen lädt nicht nur zu einem Besuch der ältesten Globusmanufaktur, sondern auch zum Kochabend, einem Café und einem interkulturellen Frühstück ein.

Karlsruher Umgebung

In Malsch lädt die – auch katholisch getragene – Willkommensinitiative Malsch in Kooperation mit dem Jugendhaus Villa Federbach am 27. September von 14 bis 18 Uhr zu einem Begegnungsfest ein mit Livemusik, Spiel und Spaß für Kinder und Kaffee, Tee und Kuchen.

Waldshut-Tiengen

Am Hochrhein feiert die Interkulturelle Woche ihr zehnjähriges Bestehen mit dem ökumenischen Gottesdienst „dafür sein – dafür TUN“ am 20. September ab 10.30 Uhr in der Evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut. Die Caritas Hochrhein rundet mit einem World-Café „Mit Worten spielen – eine Sprache für alle“ im Münsterpfarrhof Bad Säckingen sowie dem Poetry Slam „voices unmuted“ in Tiengen das Angebot reichhaltige Angebot ab.

Kurzinfo:

Die bundesweite Interkulturelle Woche findet seit dem Jahr 1975 immer Ende September statt. Sie wird unterstützt und mitgetragen von Kirchen, Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Integrationsbeiräten und -beauftragten, Vereinen, Bildungsträgern, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften und Initiativgruppen. In mehr als 760 Städten und Gemeinden werden rund 6000 Veranstaltungen umgesetzt. Quelle: www.interkulturellewoche.de 
 
(mf)
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Dazugehören

Wenn Abraham alle Menschen als Stammvater umfasst, kommt eine Botschaft heraus, wie sie besser nicht formuliert werden kann. Sie zieht sich durch die Heilige Schrift wie ein roter Faden. Beim Propheten Jesaja hört sie sich so an: »18b Der HERR sagt: »Die Zeit kommt, dass ich die Menschen aller Völker und Sprachen versammle. Sie alle werden zu mir kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Ich werde ein Zeichen unter ihnen aufrichten und Boten zu ihnen senden – Menschen aus allen Völkern, die sich mir angeschlossen haben. Zu den fernsten Küsten sende ich meine Boten, nach Tarschisch, Put und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan. Unter den Völkern, die noch nichts von mir gehört und meine herrlichen Taten nicht gesehen haben, sollen sie meinen Ruhm bekannt machen. 20 Wenn sie zurückkehren, werden sie alle eure Brüder und Schwestern mitbringen, die noch unter den Völkern zerstreut sind. Auf Pferden, Maultieren und Dromedaren, in Wagen und Sänften werden dann aus aller Welt die Zerstreuten meines Volkes zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem gebracht werden, als eine Opfergabe der Völker für mich, den HERRN – so wie ihr Israeliten eure Speiseopfer in reinen Gefäßen zu meinem Tempel bringt. « (Jesaja 66,18b-20, Übersetzung Gute Nachricht).